Abend im Spielhaus

Gelächter durchbrach die Dunkelheit. „Ich fasse es nicht! Ihr habt erneut gewonnen!“ Die drei Männer schüttelten die Köpfe, einige erfasst vom Unglauben, einer von Schalkerfüllt. „Sagt, wollt Ihr nicht öfter herkommen und für die Bank spielen?“ Noch mehr Gelächter- wer hätte gedacht, dass mir ein so unbeschwerter Abend vergönnt sein würde? Selbst die Oiran, die in ihrem prächtigen Seidenkimono anmutig neben mir Platz genommen hatte, schien ganz ausgelassen. Verschwörerisch zwinkerte sie mir hinter ihrem Fächer zu- wann war sie mir bloß so sehr ans Herz gewachsen? - ehe sie kokett über ihren Tee hinweg verkündete: „Nun, wenn der Anteil denn groß genug ist! Es wäre ja töricht von ihr, einfach zugunsten Eures Geschäftes auf ihren Gewinn zu verzichten.“ 


Die Grillen zirpten in der Ferne, während noch so manche Runde begleitet von erregtem Rufen zu Ende ging. Gemeinsam mit den Würfeln von Platz zu Platz wanderte auch der Mond stets in seiner Position, dem Morgen immer näher. Gerade wurden mehr Decken und Kissen geholt, um es der kühlen Nachtluft schwerer zu machen, durch unsere Kimonos zu dringen. 


Ein Schrei zerriss die Stille. Erschrocken erhoben sich die Spielenden, während Würfel klappernd vom Tisch rollten. „Was war das?“ „Habt Ihr das gehört?“ „Wisst Ihr, wer das gewesen sein könnte?“ 

Nun, ich wusste, dass im Herbst die Geister stärker waren denn je, doch es war der Tag vor dem Fest der Weberin- „Ich werde nachsehen. Verzeihung, würdet Ihr mir diese Laterne borgen?“

Wackelig erhob ich mich, den Ärmel meines Furisodes zurückhaltend während ich nach der Laterne griff. Diese Nacht war so finster, ich würde zweifelsohne fallen, wenn ich kein Licht bei mir trug. „Wartet! Geht nicht allein, ich werde Euch begleiten.“ Ich verneigte mich leicht. „Ich danke Euch.“ „Ich komme auch mit! Gebt mir noch eine Laterne!“ 

Die Oiran, Miyukino-san und der Besitzer des Teehauses blieben zurück, doch die übrigen  Männer machten sich gemeinsam mit mir auf den Weg. 


Angehaltener Atem, raschelnde Seide und klirrende Laternen waren das Einzige, was zu hören war. Bis uns jemand entgegen kam. „Halt! Wer seid Ihr! Bleibt sofort stehen!“ „Verzeihung! Wir hörten einen Schrei! Seid Ihr wohlauf? Was ist geschehen?“ „Ishida-Sama wurde angegriffen! Habt Ihr seinen Leibwächter gesehen?“ 


Erschrocken hoben sich meine Hände. Ein Angriff? In Arumura? Könnte es etwa ein Attentat gewesen sein? 

Ich erinnerte mich jedoch an den jungen Mann. „Nein, seit dem Abendessen nicht mehr... wisst Ihr, wer zu so etwas Schrecklichem fähig wäre?“ 

Ich konnte ein Kopfschütteln in der Dunkelheit ausmachen. „Nein. Wir suchen gerade nach Spuren. Bitte wandert nicht allein umher und bleibt sicher. Die Leute versammeln sich am Feuer, um sicherzustellen dass es sonst keine... dass niemand sonst angegriffen wurde.“ 


Nun war eine ganz andere Kälte durch meinen Kimono gedrungen, und zitternd fanden wir uns am Feuer ein- die sonst so besonnenen Bewohner Arumuras sprachen aufgeregt durcheinander. 

Die unbeschwerten Spiele waren in weite Ferne gerückt, und die ausgelassene Nacht hatte ein jähes Ende gefunden.

von SH

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