Die Legende vom Sonne und Mond See

Diese alte Legende erzählt, wie die Kaiser von Tou aus den Menschen erwählt wurden

In sehr alter Zeit waren die Menschen wie blind und taub und glaubten sich ganz allein auf der Welt. Auch wenn sie mit ihren Augen die Wunder der Berge und Täler, des Wassers und der Wälder und die Gewalten des unendlichen Himmels zu fassen vermochten, blieb ihnen doch das Wirken der Geister und Götter verborgen. So wanderten sie ahnungslos durch das Leben und verstanden ihr Schicksal nicht. Viele hatten große Angst, ganz wie sie ein Kind hat, dem keine Mutter und kein Vater die Arten und Weisen der Welt erklärt.


Sonne und Mond schienen Tag und Nacht mit ihrem Licht auf das Land und hofften, den Menschen ihre Wege zu erhellen. Von all dem schönen Licht waren die Menschen nur noch mehr geblendet. Sie sahen nur was außen und nichts was innen ist. Selbst wenn die Dinge der anderen Welt zum Greifen nah vor ihren waren, erkannten sie nichts.

Eine Frau jedoch war blind geboren und daher gab das Licht ihr nicht mehr als Wärme. Bei Tag wie bei Nacht ging sie umher und ihren Werken nach. Sonne und Mond beobachteten ihr Tun und kamen überein, dass sie unter allen Menschen befähigt sein müsste, zu verstehen.


Als die Frau im Winter in den Bergen wanderte, suchte sie Schutz vor der Kälte in einer Höhle am Hang eines Berges. Aus deren Inneren kam eine große Wärme, der sie nachsuchte. So geriet sie in der Tiefe des Berges an einen gewaltigen unterirdischen See aus silbernem Mondlicht. In dessen Mitte lag wie eine Insel ein goldener Tropfen der Sonne.

Da die Frau das alles aber nicht sehen konnte, ging sie geradewegs in den See hinein. Sie schwamm hindurch, legte sich auf dem Tropfen der Sonne zur Ruhe und verschlief dort viele Tage.

Als sie nach langer Zeit wieder aus der Höhle hinausging, war es Frühling geworden und sie wurde gewahr, dass sie ein Kind erwartete.

Als dieses bald darauf zur Welt kam, war es nach außen blind wie sie. Doch trug es in den Augen ein Stück von Sonne und Mond und sah damit all das, was den anderen Menschen verborgen war. Bald schon wurde es allseits geschätzt und geehrt für seinen Rat und schließlich zum Ersten unter den Menschen erhoben.

 

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