Der böse Geist des Kaisers Houjin

Vor hunderten Jahren wurden in Tou die alten Kaiser des Mondes von den Kaisern des Sonnenaufgangs vernichtet. Doch schaurige Geschichten wie diese erzählen vom Zorn des letzten Mondkaisers, Kaiser Houjin.


Immer wieder wurde in der Zeit ihres Baus die neue Hauptstadt Miyako von Katastrophen heimgesucht. Feuer, Erdbeben, Sturzregen und seltsame Todesfälle im Inneren des Palastes versetzten die Menschen in Angst. Für fast einhundert Jahre ging das so, bis man die Ursache dessen fand und das Unglück beenden konnte.

Die Ursache war nun die folgende:

Der letzte Kaiser des Mondes, Kaiser Houjin war bekanntermaßen ein rachsüchtiger und übelsinniger Herrscher gewesen. Er war mit immenser seherischer Gabe gesegnet. Allerdings waren seine Visionen stets dunkel und kündeten von Verrat und dem Fall seines Hauses.

Um seinen Untergang zu verhindern, ließ er eine Unzahl seiner Diener und Vasallen als vermeintliche Verräter hinrichten. In haltsloser Verschwendung erbaute er gewaltige Tempel in der alten Hauptstadt und brachte dort unablässig Opfer um das Schicksal abzuwenden welches ihm für das Haus Akari vor Augen stand. Schließlich wies er seinen Bruder Prinz Tawara an, dessen Ehefrau Prinzessin Tsuru als Opfer an den Gott der Herrschaft in den Himmelsberg zu werfen. Akari no Tawara tat wie ihm befohlen, auch wenn es ihn unendlich schmerzte. Kaiser Houjin sah in seinem Wahn aber selbst in der Trauer seines Bruders weiteren Verrat. Also forderte zum Beweis der Treue, dass die Kinder des Prinzen ihrer Mutter nachfolgen sollten.

Dies war es, was endlich Akari no Tawara bewegte, ein Heer aufzustellen und der Herrschaft seines Bruders ein Ende zu setzen. An der Spitze des Himmelsberges bat er um den Segen der Sonne und so gelang ihm der Sieg. Die alte Hauptstadt Heijou wurde von der feuerigen Glut des Berges vernichtet und mit ihr alle an Hof und Familie des Kaisers Houjin. Die Armee des Tyrannen wurde vor der brennenden Stadt auf dem Schlachtfeld geschlagen. Akari no Tawara selbst schlug seinem Bruder den Kopf vom Leib.

Hier begannen nun die seltsamen Begebenheiten. Der Kopf begann nämlich, so die Sage, sofort grell zu leuchten und flog davon in den Himmel. Der Körper des Toten hörte während der Aufbahrung über sieben Tage nicht auf zu bluten. Des Blutes war so viel, dass man ihn zur Kremation nicht anzünden konnte und ihn daher in einer riesigen Urne vergrub. 

In der neu erbauten Hauptstadt Miyako im Westen geschahen hernach die seltsamsten Dinge. Dreimal wurden wichtige Gebäude des neuen Kaiserpalastes kurz vor der Fertigstellung von Feuer zerstört. Auf den Gängen der kaiserlichen Gemächer fand man immer wieder blutige Fußabdrücke. Bäume im Garten verfaulten ohne Grund.  Menschen verfielen seltsamer Schwindsucht, nachdem sie des nachts ein Bild des verschwundenen Kopfes im Mond gesehen hatten.

Schließlich tat sich, als Kaiserin Antou, die dritte Kaiserin des Sonnenaufganges, ihr Amt antreten und die Stufen zum Tempel der Sonne hinaufsteigen wollte eine Erdspalte auf, die einen Teil der Festgesellschaft verschlang. Darunter auch die beiden Söhne der Kaiserin.

Man sandte danach Krieger aus um den Kopf zu suchen. Der berühmte Krieger Kitano Masatora fand ihn in einer Höhle an den Klippen der östlichen Küste. Wie er das vollbrachte, ist selbst Gegenstand vieler Sagen.

Nachdem man den Kopf mit dem Körper zusammengeführt und verbrannt hatte, endete auch das Unglück der Hauptstadt und Miyako konnte erblühen wie wir es heute kennen. Der Name des zornigen Kaisers selbst wird in Tou noch immer nicht laut ausgesprochen und sein Haus fiel dem Vergessen anheim. Fürchtete man doch, ihn erneut zu wecken und damit Unheil über das Land zu bringen.

  

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