Get the Spirit - Tradition in Nantou

Ein Nantoujin zu sein bedeutet viel mehr als nur die passenden Kleider zu tragen. Auch dein Geist wird sich hier ein neues Gewand anlegen: Die vielen Hierarchien und Traditionen, den Glauben an die Fäden und Knoten des Schicksals, die Ehrfurcht vor hunderten Göttern und Geistern - und den wachenden Augen der Familienahnen. Du wirst eine ganz neue Welt entdecken.

Hier gewähren wir dir einen kleinen Einblick.

Here we give you a small overview on customs and traditions that make life in Nantou special. Please feel free to check out this English summary as well.

Knoten des Schicksals

In Nantou glaubt man, dass es zwischen den Menschen einer Zeit, aber auch zu ihren Ahnen und ihren Geschichten eine Art unsichtbares Band gibt. Dieses verwebt und verknotet sich mit anderen, wenn zwei Menschen zusammenfinden, wenn man eine Schuld eingeht oder das Leben eines anderen Menschen verändert. Solche Knoten können einen selbst, aber auch die Nachkommen zu Fall bringen oder ein Rettungsanker werden. Lösen kann man sie selbst nicht mehr, jedoch kann man den göttlichen Beistand der Weberprinzessin dafür erbitten.

Vor allem in Tou knüpft man bei besonderen Anlässen wie Hochzeiten oder Geschäftsabschlüssen Knoten. Meist tun dies besonders ausgebildete Weber. Knoten werden auch als Erinnerung oder Talismane getragen - selbst ein Knoten in einem Flickentuch kann schon eine ganze Geschichte erzählen.

Inspiration: Mizuhiki, Chinese Lucky Knots, Zen Stone Knots, Omamori

Knotentalisman Anleitungen: Version 1, Version 2, Version 3 (Video), Sammlung

Respekt zeigen

In Nantou ist es sehr wichtig, andere entsprechend ihres Ranges aber auch für ihre Taten zu respektieren. Vor allem zeigt man dies durch Verbeugen. Wer dankt, sich entschuldigt, zustimmt, grüßt oder sich verabschiedet, hinein oder hinausgeht, nimmt oder gibt, der verbeugt sich. Kurz: Verbeugen ist immer eine gute Idee. Wer sehr viel Respekt zeigen will oder muss geht auch auf die Knie. Vor allem für den höheren Stand sind Berührungen dagegen eher unüblich.

Auch in der Sprache zeigt man Respekt: Durch besondere Anreden oder indem man sein Gegenüber immer lobt und sich selbst klein und schlecht macht und unangenehme oder bloßstellende Themen vermeidet. Sogar Gegenstände werden respektiert, indem man bedacht mit ihnen umgeht und sie mit beiden Händen überreicht.

Inspiration: Unser Sprachguide für Tou, Ojigi, Kowtow, How to bow in Japan (very detailed! ;) beware!)How to Kowtow (Video)

Die Himmlische Ordnung

In Nantou glaubt man an eine naturgegebene Ordnung der Welt: Die Jungen sollen die Alten ehren, Kinder stets den Weisungen ihrer Eltern folgen, genauso wie Schüler ihrem Meister oder älteren Schülern. Ebenso folgt ein Knecht seinem Herrn, ein Krieger seinem Fürsten und alle Menschen den Worten des Kaisers. Zudem gibt es Standesunterschiede zwischen Kriegern und Beamten, Bauern, Handwerkern, Händlern und den Außgestoßenen - Verbrechern und Prostituierten. Seinen Platz zu kennen und einzuhalten ist sehr wichtig. Auch wenn es ein schlechter Platz ist, hat man diesen sicherlich in einem früheren Leben verdient und darf Aufstieg nicht erhoffen oder gar erzwingen. Einzig schicksalhafte Wendungen können den Platz eines Menschen in der Welt verändern.

Geister, Götter, Talismane

Alle Menschen in Nantou glauben an die Existenz von Göttern und Geistern aller Art. Viele vertrauen auf Tageshoroskope und Weissagungen, die Wirkung von Talismanen und Segensspruch-Zetteln und fühlen die wachenden Augen ihrer Ahnen auf sich ruhen. All diese Entitäten werden in großen und kleinen Schreinen und Tempeln geehrt. Ihnen werden Opfer gebracht: Speisen, Getränke, Münzen oder Geistergeld, welches durch Verbrennen in ihre Welt gelangt. Blutige Dinge hingegen gelten als unrein und werden nicht geopfert. Den Priestern, Mönchen und Schreinhelfern, die die Häuser der Geister und Götter pflegen, gilt großer Respekt und sie werden bei wichtigen Ereignissen stets hinzugezogen. Dazu gibt es bestimmte Feste: Das Dämonenaustreiben mit Salz, Wasser oder Bohnen am Neujahr, das Geister- oder Ahnenfest im Sommer und lokale Feiern zu Ehren einer bestimmten Gottheit. Vor allem bei letzteren geht es oft laut zu, mit Tanz, Musik, Wettstreiten und Gesang.

Lies weiter: Legenden von Nantou, Kalender von Tou, Glauben in Nantou

Vergänglichkeit

Die meisten Menschen von Nantou wissen darum, dass nichts in der Welt ewig ist und alles sich stetig wandelt. Sie erfreuen sich daher an den Jahreszeiten und der vergänglichen Schönheit der Natur. Die Feste zu ehren der Blüten des Frühlings, des Mondes im Sommer und des bunten Laubes im Herbst prägen das Jahr. Gerade in Tou liebt man zudem Geschichten und Dinge, die von der Tragik und Schönheit des Vergänglichen erzählen. Schönes und Glück ewig festhalten zu wollen wird dagegen oft als töricht angesehen - auch wenn viele Menschen dieser Sehnsucht letzendlich erliegen.

Inspiration: wabi sabi, Mandala, Wu Wei, Hanami, Tsukimi, ...

Schuld

In eines anderen Schuld zu stehen ist unangenehm und bedrohlich. Kann ein Gefallen oder eine Hilfe nicht gleichwertig erwidert werden, so haben viele Menschen Angst, dass dies ihre Seele mit einem Knoten an diese Welt bindet - im schlimmsten Falle als ruheloser Geist. Zudem könnten auch die eigenen Nachfahren gezwungen sein, die Schuld abzutragen und sie kann auf ewig als dunkler Stern über dem Fortleben der Familie stehen. Man versucht daher, alle Gefallen schnellstmöglich zu erwidern und natürlich auch, sich nicht "an jemandem schuldig zu machen". Auch gewährt man keinen Gefallen, wenn man weiß, dass der andere diesen nicht erwidern könnte. Man bittet nicht um etwas, was ein anderer nicht zu geben in der Lage ist. Und man versucht, wenn möglich, keine direkte Verantwortung für eine möglicherweise schuldhafte Tat auf sich zu legen.

Ehre und Gesicht

Ehre bedeutet viel in der Gesellschaft von Nantou. Nicht nur die eigene gilt es zu wahren, sondern stets auch die der Familie, des Meisters oder Herrn und für Samurai natürlich des Clans. Besonders wichtig ist es dafür, dass Verwerfliches nicht an die Öffentlichkeit dringt. Auch wenn es also einem hohen Beamten nicht verboten ist, ein Vergnügungsviertel zu besuchen, oder den unverheirateten Kindern aus gutem Hause, einander unbeobachtet zu treffen oder Verheirateten, nebenbei Affären zu haben - so würde es ihnen doch "schlecht zu Gesicht stehen". Daher geschehen diese Dinge heimlich oder mit einem gesellschaftlich akzeptablen Maß an Heimlichkeit und alle sehen dürber hinweg. Es gilt auch als nachteilig für den Ruf, einer Bitte oder Schuld nicht nachkommen zu können. Besonders ernst sieht es aus, wenn offensichtlich ein Fehler gemacht wurde - zum Beispiel wenn ein Krieger bei der Ausführung eines Befehls versagt. Dann ist der Ehrverlust so groß, dass mitunter nur der Tod einen Ausweg darstellt.

 

Etikette

Etikette ist in jeder Gesellschaft wichtig. Je höher man steht, desto mehr. Hier deshalb noch ein paar gute Sitten, an die man sich halten sollte.

Es ist unhöflich mit Schuhen auf Matten oder Teppiche zu treten. Um Respekt zu zeigen, übergibt oder nimmt man Dinge mit beiden Händen. Niederrangige servieren den Höherrangigen und schenken ihnen beim Trinken ein. Sich selbst einschenken und auftischen ist egoistisch. Man isst mit Stäbchen. Nudeln kann man gerne schlürfen. Schwerter sollte man, wenn man nicht angriffslustig wirken will, in einer Scheide tragen und an der Tür eines Hauses abgeben. Höherrangige und Fremde berührt man, vor allem in Tou, möglichst nicht.

Weitere interessante Links: Sengokudaimyou - Etiquette (v.a. für Schwerttrräger), Kimono-Etikette