Die Hochzeit

Das war es also, das kleine Dorf in dem ich von nun an Leben würde. Im Vergleich zur blühenden Hafenstadt Sakai kam es mir trist und leblos vor. Es war bereits Dunkel, meine Ankunft war erst unmittelbar vor der Hochzeit gewünscht worden.
Leise Stimmen in der Ferne, das Klingeln von Glöckchen.. Dieses Dorf klang so anders.
Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, als eine Oiran mich von der Seite ansprach. "Verzeihung, seid Ihr Kiyohara-San? Mein Name ist Miyukino, ich habe die Ehre Euch abholen zu dürfen."
Ich drehte mich zur Ihr um, ein wenig sprachlos über ihre Schönheit. "Ja das bin ich. Ich danke Euch." mit einer leichten Verbeugung stellte ich mich vor. "Aber bitte, benutzt ruhig meinen Vornamen. Yatsuha."
Daraufhin geleitete sie mich in eine Hütte, spärlich eingerichtet. Aber liebevoll vorbereitet lagen in ihr die wunderbarsten Dinge- Mein Furisode, ein Geschenk meines Zukünftigen, prächtige Kanzashi in den wundervollen Farben und alles, was man sich nur vorstellen könnte.
Unter sanften, schwesterlichen Gesprächen richtete Miyukino mich her- ich denke keine von uns konnte sagen, woher diese Bindung zwischen uns kam.
Es folgte ein wenig Tumult - "Bleibt draußen! Ihr dürft sie nicht sehen!" und die Tür ging auf. Hastig und beschämt drehte ich mich mit dem Gesicht zur Ecke, sodass der Mann, der gerade eingetreten war… Mein Gatte, nur meinen Rücken sehen konnte.
Er schien etwas zu holen, und dann wieder gehen zu wollen. Aber vor der Tür hielt er nocheinmal inne. "Ich hätte dich größer erwartet.", erklang es kühl.
Und dann fiel die Tür ins Schloss.
Miyukino äußerte sich empört über diese Störung, aber mich beschäftigte etwas ganz anderes. Würde dies der Ton sein, der meine Ehe von nun an definieren würde? Wäre ich von Anfang an eine Enttäuschung gewesen?
Draußen schien etwas geschehen zu sein, doch Miyukino und ich war es verboten worden, die Hütte zu verlassen. Uns wurde Essen gebracht, und während wir aßen wurde mein Herz mit jedem Bissen schwerer. Es erschien mir mehr wie eine Henkersmahlzeit, als wie ein Hochzeitsmahl.
Und als dann jemand kam um mich abzuholen, gleichgültig ob ich auf meinen feinen Zori hinterherkam oder nicht, während ich immer wieder in Löcher im Boden trat und umknickte, verfluchte ich dieses Dorf zum ersten Mal.

Ich wurde in einen von Fackelschein erhellten Kreis gestoßen, in dem Yamada-san bereits auf mich wartete. Seine Miene war leer, als würde er darauf warten, dass endlich sein Tee serviert würde. Grob griff er meine Hände und hielt sie so, dass ein Priester das Band der Weberin um unsere Hände schlingen konnte- als ein Aufschrei aus dem Gefolge erklang.
"Yatsuha! Was tust du da? Weißt du nicht, dass er dich nur gekauft hat? Er hat dich gekauft wie eine Ware!"
Als ich erkannte, wer da Sprach, kamen mir die Tränen. "Denkst du, ich wüsste es nicht Gorobei?! Denkst du, ich hätte eine Wahl?!"
Ich hoffte, er würde mich aufhalten, doch das tat er nicht.
Der Mönch, der uns trauen sollte blickte ein wenig verunsichert, doch Yamada-san bedeutete ihm fortzufahren.
Ich erinnerte mich an keines der gesprochenen Worte, und plötzlich war es vorüber.
Yamada-san zog mich am Arm fort von den Leuten, und drückte mir Grob das Band, welches unsere Ehe symbolisieren sollte, in die Hand. "Ich werde dir Schutz bieten. Ich werde für dich Sorgen. Tu was du willst - Aber wehe du bringst Schande über meinen Namen, Yamada Yatsuha. Du musst die erste Nacht nicht bei mir verbringen - esseidenn du willst es."
Und dann verschwand er. Und mit jedem Schritt, den er von mir fort tat, wuchs mein Bedürfnis danach, mich weinend zusammen zu kauern, fortzulaufen und meine Schwester zu suchen, und all das hier ungeschehen zu machen.
War das wirklich alles was ich erwarten durfte? Gleichgültigkeit? Geduldet zu werden? Kälte?
Zu diesem Zeitpunkt verfluchte ich das Dorf Arumura das Zweite Mal, und seine Bande mit ihm.

von Yatsuha

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